Vanoise

Wärmeaufgeblasen
Broschüre

WANDER-DUO IM NATIONALPARK VANOISE

Wie lassen sich die Wanderwege im Vanoise-Park für Menschen mit Sehbehinderung zugänglich machen? Indem man auf gemeinsames Erleben setzt.

> Wander-Duo für Menschen mit Sehbehinderung

> Besucherheft des Parks auf Thermopapier gedruckt

DÉTAIL DU PROJET

Die Berge entdecken, ohne sie zu sehen

Im Nationalpark Vanoise bekommt die Vermittlungsarbeit eine besondere Dimension: Das Erlebnis findet außerhalb geschlossener Räume statt, mitten in der Natur, im Rhythmus einer Wanderung. Ein Wander-Duo, bestehend aus einer sehenden und einer blinden oder sehbehinderten Person, erkundet gemeinsam die Pfade.

Diese Wanderung ist von Momenten des Innehaltens geprägt: Ob bei einer Rast oder am Abend in der Schutzhütte – diese Pausen sind essenziell, um sich auszutauschen, die Landschaft zu beschreiben und die weitere Route zu planen.

Um diese geführten Wanderungen zu begleiten, haben wir mit Manon Sarthou von der auf Barrierefreiheit spezialisierten Organisation L’Iliade du Patrimoine zusammengearbeitet, die das Projekt für den Nationalpark Vanoise leitete. Unsere Aufgabe: die grafische und technische Gestaltung eines inklusiven taktilen Heftes. Es wurde als Wanderführer konzipiert, um ein vollkommen gemeinsames Erlebnis zu ermöglichen.

Ein Führer, um Landschaften gemeinsam zu erleben

Das Besucherheft kann vor oder während der Wanderung genutzt werden und hilft dabei, die Route zu verstehen und die unterwegs entdeckten Elemente tastend zu erkunden. Es enthält Karten mit den Wanderwegen, Darstellungen von Tieren sowie Illustrationen von Gebäuden oder Unterständen entlang der Strecke. Da es für die gemeinsame Nutzung konzipiert ist, garantiert es eine perfekte Informationsgleichheit: Beide Personen haben zur gleichen Zeit Zugriff auf dieselben Details.

Ein Führer für Blinde, Sehbehinderte und Sehende

Die Stärke dieses Heftes liegt in der Kombination verschiedener taktiler Techniken, die Brailleschrift und Reliefbilder vereinen.

Auf der Textseite überlagern sich vergrößerte Schriftzeichen für sehbehinderte Menschen und geprägte Brailleschrift für blinde Leser. Der Schwarztext entspricht exakt dem Braille-Text – eine wichtige Vorgabe, die das Layout maßgeblich bestimmt hat, um dem größeren Platzbedarf der Brailleschrift gerecht zu werden.

Die Karte ertasten, bevor man das Gebiet durchquert

Für die Illustrationen haben wir uns für Thermopapier (Swell-Paper) entschieden, bei dem die schwarze Tinte unter Hitzeeinwirkung aufquillt und so tastbare Reliefs erzeugt. Diese Technik ermöglicht leichte und somit leicht transportierbare Reliefbilder. Sie ist ideal für den Einsatz im Freien und für die Produktion in kleinen Auflagen. 

Anschließend folgt die Gestaltung der taktilen Karten, die sowohl praktische Informationen vermitteln als auch eine Vorstellung der durchquerten Landschaften ermöglichen. Ein Gebiet in eine taktile Zeichnung zu übersetzen, erfordert grafische Interpretationsarbeit: Formen vereinfachen, ohne sie zu verfälschen, Informationen hierarchisieren und die Erkundung mit den Fingerspitzen natürlich leiten. Linienstärken, Reliefhöhen und taktile Texturen werden sorgfältig angepasst, damit Routen, Orientierungspunkte und die wichtigsten Landschaftselemente sofort identifizierbar sind. Das Relief erleichtert blinden Menschen die Vorstellungskraft, während farbliche Kontraste das Verständnis der Karten für sehbehinderte Menschen verbessern.